Sannmanns kleiner Hofverkauf: Sommerpause vom 06.08. bis einschließlich 20.08. » mehr

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17. November 2010

Bergedorfer Zeitung

Von Jule Monika Witt. Ochsenwerder. Sie trennen zehn Jahre. Auch ihre Lebensläufe könnten unterschiedlicher kaum sein. Doch die nächsten zwei Jahre drücken Leonard Egner (18) und Matthias Fuhst (28) gemeinsam die Schulbank und verbringen einen Großteil ihres Arbeitstages zusammen.

Beide begannen im Spätsommer eine Ausbildung zum Gemüsebau-Gärtner im Demeter-Betrieb Sannmann und sind mit Feuereifer bei der Sache.

Foto: Monika Witt, Bergedorfer Zeitung.

Dass ihm „körperliche Arbeit an der frischen Luft guttut“ und „der Anbau von Produkten in biologisch-dynamischer Wirtschaftsweise gefällt“, merkte Matthias Fuhst erst nach seinem Arabistik- und Theologiestudium. Der gebürtige Cuxhavener absolvierte seinen Bachelor-Abschluss in Jena, zog anschließend mit ein paar Freunden zusammen und wohnt seitdem auf Hamburgs Flussinsel Wilhelmsburg. Ursprünglich wollte er sich als Dolmetscher und Übersetzer sein Geld verdienen, bis es aber soweit war, hielt er sich mit 400-Euro-Jobs über Wasser.

Einer führte ihn in den Demeter-Betrieb von Martin Sommerfeld, wo er das erste Mal Kontakt zu der nachhaltigsten Form der Landbewirtschaftung bekam. Sofort griff der 28-Jährige zu, als sich ihm wenig später die Chance für eine Ausbildung in der Gärtnerei Sannmann bot. Am Ochsenwerder Norderdeich 50 lernt er nun während der nächsten, wegen der Hochschulreife nur zwei Jahre alles über die Züchtung von eigenem Saatgut, spezielle Kulturverfahren, Nützlings-Einsatz, selbst hergestellte, feinstofflich wirkende Präparate, Rinderhaltung, Fruchtfolgen und, und, und. Eine echte Herausforderung: „Ich habe mich zuvor so gut wie gar nicht für diese Themen interessiert“, sagt Matthias Fuhst.

Ganz anders Leonard Egner. Der Waldorfschüler aus Kempten, der auf dem Bioland-Hof seiner Eltern aufwuchs, experimentierte bereits als Kind mit Hornmist. „Ich habe mich schon immer für Pflanzen interessiert“, sagt der 18-Jährige, „vor allem für Exoten. Ich wollte wissen, wie zum Beispiel Tabak und Baumwolle aussehen.“ Mit 16 verbrachte er drei Monate auf einer australischen Getreidefarm. Danach wusste er: „Lebensmittel mit Gift zu behandeln, das ist nichts für mich.“ Seine Ausbildung im elterlichen Betrieb zu machen, war ebenfalls nichts für ihn. So kam er schließlich nach Ochsenwerder.

Hier wollen Leonard Egner und Matthias Fuhst den Beruf des Gemüsebau-Gärtners von der Pike auf lernen. Beide entschieden sich für die konventionelle Ausbildung mit Blockunterricht an der G 13. Dort steht unter anderem „Pflanzenschutz“ auf dem Stundenplan und dazu gehört der Einsatz von Pesti- und Herbiziden. „Schaden kann es nicht, wenn wir darüber Bescheid wissen“, sagen beide einvernehmlich, „auch wenn wir so nicht arbeiten wollen.“

In der Branche zu bleiben – auch nach der Ausbildung – das können sie sich aber gut vorstellen. Matthias Fuhst möchte gern in einem Demeter-Betrieb im Ausland arbeiten. „Ägypten wäre gut“, sagt er, da kämen ihm seine Arabischkenntnisse zugute. Leonard Egner hat die Option, den elterlichen Betrieb im Allgäu zu übernehmen. Ob er das möchte, weiß der 18-Jährige aber noch nicht. „Vielleicht zieht es mich auch woanders hin.“