Sannmanns kleiner Hofverkauf: Sommerpause vom 06.08. bis einschließlich 20.08. » mehr

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16. September 2010

Bergedorfer Zeitung

Von Jule Monika Witt. Ochsenwerder. Die ersten Herbststürme bauen sich über dem Atlantik auf, die Linden streifen ihr gelbes Laubkleid über, und die von den Miniermotten gepeinigten Kastanien werfen bereits ihre braunen, völlig vertrockneten Blätter ab.

Jetzt beginnt wieder die Zeit, in der sich in jedem Garten bergeweise Laub, Strauch- und Baumschnitt anhäufen. Was liegt da näher, als einen Komposthaufen anzulegen und auf diese Weise wertvollen Humus zu gewinnen? Doch nicht jeder Gartenbesitzer hat damit gute Erfahrungen gemacht: Statt sich zu zersetzen, faulen die organischen Abfälle vor sich hin.

„Ein guter Kompost braucht so viel Pflege wie ein gutes Bier“, sagt Jens Giller, Projektleiter in der Demeter-Gärtnerei Sannmann. Dort wird die fruchtbare Erde für den biologisch-dynamischen Anbau von Kräutern, Salaten und Gemüse im großen Stil hergestellt. „Wir kommen auf etwa 800 Tonnen Kompost im Jahr“, sagt Giller, „wollen die Menge aber weiter steigern.“ Zum einen brauche die Gärtnerei ständig mehr, der Kompost soll aber auch verkauft werden. Giller: „Wir sind gerade dabei, spezielle Verpackungen zu entwickeln.“

Das Rezept der Spezialisten

Viele Zutaten braucht es nicht, um einen lebendigen Boden zu gewinnen. Wichtig ist das richtige Verhältnis zwischen Kohlen- und Stickstoff, dem Hauptnährelement aller Organismen. „Es sollte 50:50 betragen“, sagt Giller. Strauchschnitt, der möglichst in einem Häcksler aufgefasert wurde, liefert den Kohlenstoff. Grasschnitt verfügt über einen sehr hohen Stickstoffgehalt. Dazu kommen zehn Prozent Küchenabfälle und zehn Prozent Erde – möglichst ein Ton-Humus-Komplex. Nun fehlt noch ein Schnellkompostierer, dessen Pilze und Bakterien aufeinander abgestimmt sind. Die Mikroorganismen einer guten Komposterde erfüllen den gleichen Zweck. Diese Zutaten werden durchmischt und zu einem Kegel aufgehäuft, „der nicht kleiner als ein halber Kubikmeter sein sollte“, sagt der Experte. Das Ganze mit Vlies abdecken. Es ermöglicht den Gasaustausch, schützt aber vor Nässe.

Nach ein, zwei Tagen sollte im Haufen eine Temperatur von mindestens 58, maximal 65 Grad Celsius herrschen. Die Wärme bewirkt eine Hygienisierung, schädliche Keime sterben ab. Wird es heißer, muss zusätzlich gelüftet, das heißt, die organischen Stoffe mehr als einmal täglich gewendet werden. „Es kann aber auch ein Zeichen für einen zu hohen Stickstoff-Anteil sein“, sagt Giller. Am zweiten oder dritten Tag können noch einmal zehn Prozent Küchenabfälle hinzugegeben werden. Die Heißrottephase dauert zwei Wochen. Danach folgt die Aufbauphase während der die organischen Stoffe nur noch alle zwei Tage gewendet werden müssen. Diese Arbeit reduziert sich in Woche fünf und sechs auf ein- bis zweimal pro Woche. Nach dieser Zeit sollte die Temperatur im Haufen maximal fünf Grad über der Umgebungstemperatur liegen. Jetzt noch zwei Wochen nachrotten, fertig ist die lebendige Komposterde.

Von ihr gibt es viel zu wenig. „80 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen weltweit sind Wüsten“, sagt Giller. Dabei könne Humus große CO2-Mengen binden – eine Klima-Chance?