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02. Mai 2011

taz

UMWELT Der Senat soll Hamburg in die Charta von Florenz - das Programm der gentechnikfreien Regionen Europas - einbinden, fordert ein Anti-Gentech-Bündnis auf einem Acker in Ochsenwerder

Der Kampf gegen die Gentechnik entscheidet sich nicht zuletzt auf dem Acker. Um dabei ein Zeichen zu setzen, haben Gäste der Initiative "Gentechnikfreie Metropolregion Hamburg" am Sonnabend 5.000 Bantam-Mais-Setzlinge in Ochsenwerder gepflanzt. Die grüne Bürgerschaftsabgeordnete Heidrun Schmitt kündigte an, ihre Fraktion werde am 4. Mai beantragen, dass der Senat die Charta von Florenz - das Programm der gentechnikfreien Regionen Europas - unterzeichnen möge. "Nur starke und selbstbestimmte Regionen können gentechnikfreie Räume in Europa erhalten", sagte Schmitt.

Bantam-Mais, eine an die 100 Jahre alte, konventionelle Sorte, spielte eine zentrale Rolle beim Widerstand gegen Gentechnik in der Landwirtschaft. Er kann leicht von gentechnisch verändertem Mais befruchtet und damit unverkäuflich werden. Deshalb hat der Gesetzgeber jedem, der herkömmlichen Mais anbaut, ein Informationsrecht eingeräumt: Er darf erfahren, wer in der Nähe gentechnisch veränderten Mais anbaut. Seit 2008 gilt das allerdings nur noch für gewerbliche Mais-Anbauer.

Zwar ist der erste Anlauf, genmanipulierten Mais in Deutschland anzubauen, gescheitert. Die Zulassung der Sorte MON 810 der Firma Monsanto ist in Deutschland 2007 aufgehoben worden und ihr Anbau strittig. Der manipulierte Mais ist nicht nur gegen den Schädling Maiszünsler resistent, sondern schadet Untersuchungen zufolge auch anderen kleinen Tieren. Bei der EU ist jedoch die Zulassung weiterer manipulierter Maissorten beantragt worden. "Wir müssen jetzt handeln und Saatgut und Boden gentechnikfrei erhalten", sagt daher Thomas Sannmann, in dessen Demeter-Gärtnerei der Bantam-Mais gepflanzt wurde.

Die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Andrea Rugbarth kritisierte die Vorstellungen von einer Koexistenz gentechnisch veränderter und konventionell gezüchteter Pflanzen auf EU-Ebene. "Das glaubt doch kein Mensch, dass sich gentechnisch veränderter Samen nicht durch Pollenflug oder Bienen unkontrolliert ausbreiten könnte", sagte sie. Deshalb sei es wichtig, dass ganze Regionen gentechnikfrei blieben. So lasse sich auch der Gemüsebau in den Vier- und Marschlanden stärken. Denn "gentechnikfrei" sei ein Qualitätsmerkmal für Verbraucher.

Rugbarths Bergedorfer Kollege Gerhard Lein kritisierte das Ziel hinter der Gentechnik. Saatgutkonzerne versuchten, durch exzessive Patentierung Teile des Erbgutes für sich zu monopolisieren. GERNOT KNÖDLER

Große Einigkeit

Die Opposition gegen den Anbau genmanipulierter Pflanzen in Hamburg ist breit.

Die Bürgerschaft hat im Februar 2010 den Senat einstimmig ersucht, die gentechnikfreie Landwirtschaft zu fördern. Dazu gehört es, städtische Einrichtungen gentechnikfrei zu versorgen.

Der Initiative für eine gentechnikfreie Metropolregion gehören Organisationen aus den Bereichen Landwirtschaft, Garten- und Obstbau, Umwelt- und Verbraucherschutz sowie Handels- und Verarbeitungsunternehmen und Einzelpersonen an.