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18. Juni 2011

Extra Gärtnerei-Führung

Am Samstag, den 18.06.2011 um 14.00 Uhr

In der zweiten Juni-Woche kam die Entwarnung für Gurken, Tomaten und Salat: Sie waren nicht die Infektions-Quelle für den Ehec-Erreger. In den drei Wochen Quarantäne dieser beliebten Gemüse wurde viel über unsachgemäße Düngung spekuliert und die Verbraucher verunsichert. „Hier sollte sachlich mit Information und Transparenz über die Produktion- und Wirtschaftsweise aufgeklärt werden“, meint Gärtnermeister Thomas Sannmann aus Ochsenwerder und lud Kunden und Interessierte zu einer Extra-Führung am 18.06.2011 ein.

Über 30 Besucher folgten seiner Einladung in die idyllisch am Brack gelegene Gärtnerei. „Salat und rohes Gemüse haben eine enorme Wichtigkeit in der Ernährung der Menschen und bringen Genuss und Lebenskraft“, so das Begrüßungs-Statement von Gärtnermeister Sannmann. „In unserer Gärtnerei haben alle weiterhin Gemüse genossen ohne zu erkranken“, zieht Thomas Sannmann Bilanz, „und auch von den über 2000 Abo-Kunden des Sannmann Gemüse-Abos ist niemand erkrankt.“ Trotzdem ließ Sannmann Gemüse, Salate und Kompost überprüfen mit dem Ergebnis, dass alles Ehec-frei ist.

»Kompost ist Kraftfutter für unsere wichtigsten Mitarbeiter, die Regenwürmer. Mit der flüssigen Kompostdüngung zerlegen wir die Nahrung für den Regenwurm in mundgerechte Häppchen.«— Thomas Sannmann

Ein Blick in den mit frischem Kompost gefüllten Teefilter im Sprudelbad des Komposttee-Bereiters.

Eine wichtige Station der Führung war das Tomatengewächshaus. Hier präsentiert Thomas Sannmann die kleine Kompostteeanlage. „Bester gereifter Kompost kommt in den Filter und wird 24 Stunden versprudelt“, so Sannmann. Dann lösen sich alle wertvollen Bestandteile und Mikroorganismen im Wasser. Über die zentrale Wasserverteilung wird der Kompost-Tee dann auf den Böden fein verteilt: „Kompost ist Kraftfutter für unsere wichtigsten Mitarbeiter, die Regenwürmer. Mit der flüssigen Kompostdüngung zerlegen wir die Nahrung für den Regenwurm in mundgerechte Häppchen.“ Je mehr Regenwürmer und Mikroorganismen im Boden sind desto widerstandsfähiger werden die Pflanzen und desto reicher und aromatischer ihre Früchte.

Thomas Sannmann zeigt seinen Gästen den Komposttee-Extrakt aus der neuen Komposttee-Anlage.

Schon mit der Nase konnten die Gäste feststellen, dass Kompost und Kompost-Tee nur nach guter Erde duftet. „Das liegt an dem besonderen Verfahren der aeroben Kompostierung – der CMC-Methode (Controlled Microbial Composting). Hier werden die Bestandteile des Kompostes wie Grün- und Strauchschnitt, Gemüse-Abfälle, Kuhmist mit Stroh über Monate kontrolliert kompostiert, auf über 60 Grad erhitzt und hygienisiert, so dass alle schädlichen Keime und Unkrautsamen getilgt werden. „Unser Kompost ist wie ein Patient auf der Intensivstation – mit ständigem Temperaturmessen und Wenden, pflegen und kontrollieren, bis wertvoller gesunder Humus entsteht“, erklärt Thomas Sannmann.

Weil der besondere Qualitäts-Kompost aus hofeigenem Material die Grundlage und Basis für fruchtbare Böden und Pflanzenwachstum ist, will Thomas Sannmann eine Kompost-Extraktions-Anlage anschaffen, die leistungsfähig genug ist, um die gesamte Gärtnerei mit Kompost-Tee-Extrakt zu versorgen.

„Nach Salatkulturen säen wir Gründünger“, erklärt Markus Walkusch-Eylandt den Besuchern der Führung. Gründünge-Pflanzen wie Phacelia, Ölrettich, Gelbsenf, Seradella und Rotklee regenerieren und beleben die Erde.

In eineinhalb Stunden ging es dann weiter quer durch die Gärtnerei durch Felder und Gewächshäuser: Was die Gäste in Gewächshaus 5 für saftigen Salat hielten, entpuppte sich als bodenbelebender Gründünger. „Hier wuchs zuerst Feldsalat, dann Kopfsalat und Radieschen“, erklärt Gärtnermeister Markus Walkusch-Eylandt. „Jetzt gönnen wir dem Boden eine Verschnaufpause mit nährstoffreichem Gründünger.“ Erst in der Kalenderwoche 35 werden wieder Kulturen angepflanzt.

„Das ist Scharfgarbe“, vermutet eine Besucherin beim Anblick der hohen Korbblütengewächse. „Das ist unsere Möhrensaatgut-Zucht“, korrigiert Markus. Die Möhre bildet im ersten Jahr die Wurzelfrucht und erst im zweiten Jahr Blüte und Saatgut. „Von der samenfesten Möhre Mona, die wir im Geschmack selektieren, gewinnen wir hier 2 bis 3 Kilo Samen für ca. 3 Hektar Anbaufläche“, sagt Markus Walksuch-Eylandt.

»Mit der Erfindung der robusten Hybrid-Einheitstomaten ist die Sortenvielfalt sehr stark zurückgegangen.«— Thomas Sannmann

Schnell kamen Fragen, ob sich Tomaten auch selbstvermehren lassen. Erstaunt erfuhren die Gäste, dass nicht jede Tomate, die einem schmeckt, Saatgut hergibt. „Das funktioniert nur bei samenfesten Tomaten wie der Vierländer Platte oder der Demeter Ruth“, so die Antwort. Die meisten Tomaten im Handel sind Hybrid-Sorten mit der Zusatzbezeichnung F1 (Filia/Tochter 1), was den Hinweis gibt, dass sie Mutter und Vater-Pflanzen haben und als Saatgut auch in diese wieder zerfallen. Von einer Hybrid-Tomate bekommt man nie die gleiche Tomate zurück. „Mit der Erfindung der robusten Hybrid-Einheitstomaten ist die Sortenvielfalt sehr stark zurückgegangen“, erzählt Thomas Sannmann. „Früher hatte jeder Ortsteil in Ochsenwerder seine eigenen Gemüsesorten.“

Die traditionelle Vierländer Platte ist so eine alte Tomatensorte aus dem 18. Jahrhundert. Weil sie in Vollreife eine zarte, empfindliche Haut hat, muss sie etwas früher geerntet werden. Und das ist kein Nachteil, weil sie so gut nachreift. „Sie ist geschmacklich schon fertig auch wenn sie äußerlich noch nicht so aussieht“, meint Markus. „Diese Besonderheit haben wir aber auch erst in den letzten Jahren durch Versuche rausbekommen“, so der Gärtnermeister. Bei den Cherrystrauch-Tomaten will Markus Kostproben verteilen und stellt den geringen „Schnitt an Messern fest“. „Sonst hat auf einer Führung fast jeder eines dabei“, meinte er schmunzelnd. Alle genießen die Tomatenstückchen, die manchen an die Tomaten der Kindheit erinnern, so lecker sind Geruch, Geschmack und Aroma.

Radieschen-Verkostung direkt vom Feld. Feldradies schmeckt würziger und schärfer, weil er durch Wind und Wetter stärkere Aromastoffe entwickelt.

Nach dem geschützten Tomatengewächshaus geht es raus aufs Feld zu Radieschen, Salaten, Porree und Kohlrabi. „Wie haltet Ihr die Felder eigentlich unkrautfrei“, war die zentrale Frage der Gäste. Antwort: „Da sind wir letztens mit der Radhacke durchgegangen. Die gebietet den Wildkräutern ein bisschen Einhalt“, so Markus und zieht ein Büschel Radies frisch aus dem Feld. Kurz unterm Wasserhahn abgespült und gleich in den Mund, am besten mit dem etwas pieksigen Blattwerk gegessen – ein Hochgenuss. Feldradies schmeckt würziger und schärfer, weil er durch Wind und Wetter stärkere Aromastoffe entwickelt.

Der Rotklee, den Thomas Sannmann seinen Gästen zeigt, ist ein besonders wertvoller Gründünger: Die Knöllchen an seinem reichen Wurzelwerk sammeln kostbaren Stickstoff aus der Luft und binden ihn im Erdreich.

Die Felder neben den Kulturen erholen sich gerade ganze zwei Jahre mit Gründünger (Luzerne, Lupine, Erbsen, Bohnen, Leguminosen), der zwei bis dreimal pro Jahr für Viehfutter geschnitten wird. Der Rotklee, den Thomas Sannmann seinen Gästen zeigt, ist ein besonders wertvoller Gründünger: Die Knöllchen an seinem reichen Wurzelwerk sammeln kostbaren Stickstoff aus der Luft und binden ihn im Erdreich. Durch die tiefe Wurzelbildung verbessert sich der Bodenaufbau in den zwei Jahren Pause erheblich und bewirkt eine Qualitätssteigerung des Gemüses, das später angebaut wird.

Das Wetter wurde ungemütlicher mit Wind und Regen – schnell rein ins warme Gurken-Gewächshaus. Hier herrschen immer tropische Temperaturen, in denen sich Mini- und Schlangengurken sehr wohl fühlen. Sie werden jeden Tag geerntet und jeden zweiten Tag gepflegt, kontrolliert und ausgeschnitten. Markus verteilt Kostproben von beiden Sorten und jede schmeckt komplett anders.

Gegen Blattläuse auf dem Auberginenblatt hilft eine Spinnenart: Die Spinnen fangen die Läuse und saugen sie aus.

Nach den Gurken kommen die Auberginen. Auch sie wachsen wie die Tomaten und Gurken bis in den Himmel und brauchen am Fuß Kompost und Hornspäne für ihr Höhenwachstum. Am Auberginenblatt demonstriert Thomas Sannmann, dass es für jeden Schädling auch einen Gegenspieler gibt: Viele Läuseleichen befinden sich auf der Unterseite des Auberginenblattes, weil die Spinne ganze Nützlings-Arbeit geleistet hat. „Blattläuse entstehen, wenn die Pflanze Stress hat und zu schnell oder zu langsam wächst“, erklärt Gärtnermeister Sannmann. Gegen die weiße Fliege werden Schlupfwespen eingesetzt, die eigens auf Maiskulturen gezüchtet werden.

Zum Abschluss der Führung zeigt Sannmann den großen Kompost-Aufbereitungsplatz und die Waschanlage für die Gemüse: „Hier werden alle Gemüse geputzt, gewaschen und schonend verpackt. So kommen unsere Gemüse sauber und appetitlich beim Kunden an“, so Thomas Sannmann.

 

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